Wolfsburg – Angst in der Autostadt

Gerade war VW zum größten Autobauer der Welt aufgestiegen, als am 18. September 2015 publik wurde, dass der Konzern in Millionen Autos eine Betrugssoftware in die Abgasselektronik eingebaut hatte. Es folgte eine Krise, die alle vorangegangenen in den Schatten stellte: Die Volkswagenaktie verlor zwischenzeitlich rund ein Drittel an Wert, auch weil bis heute die Folgekosten nicht absehbar sind. Noch härter aber trifft Volkswagen das beschädigte Image.

In Wolfsburg leben 125 000 Menschen; von Volkswagen hängen 80 000 Arbeitsplätze ab. Die gesamte Stadt wurde einst allein für das Werk in das damalige Agrarland Niedersachsen gebaut. Heute ist dort jeder direkt oder indirekt vom Wohlergehen des Autobauers abhängig. Ein Werksvertrag birgt das Versprechen von Sicherheit und Glück, von eigenem Auto, eigenem Haus und einem Bonus am Jahresende. Für Genrationen war klar: Ein Werksvertrag gilt möglichst ein ganzes Arbeitsleben.

Diese Verschmelzung von Stadt und Automobilkonzern war lange eine fruchtbare Symbiose. 2014 hat Wolfsburg rund 300 Mio. Euro Gewerbesteuer eingenommen. In den Kassen hatte es da schon einen Überschuss von 250 Mio. Euro. Kurz nach Bekanntwerden des Abgasskandals hat die Stadt eine Haushaltssperre verhängt. Plötzlich schleichen sich Sorgen in das Wolfsburger Leben ein. Die kleine heile Welt hat Risse bekommen. Niemand möchte das es wird wie draußen.


Stern 02 / 2016

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2016 Stern Reportage & Essay